Rathausstrasse 21/ Bregenz

Warum uns Veränderung so gut tut.

Aufbrechen, neu orientieren, Entscheidungen treffen, etwas verändern. Okay, ganz so easy ist es nicht. Erstmal kommt die Angst. Bei den meisten jedenfalls – je nachdem wie bedeutungsschwanger sie daherkommen, die Veränderungen. Schließlich gibt uns das, was wir kennen, ein Gefühl von Sicherheit. Sicherheit macht nur leider nicht immer auch glücklich.

Und wie schon Hermann Hesse wusste…

…Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.

Denken wir mal zurück: Das Auslandssemester während des Studiums hat vielleicht die Italienerin in uns geweckt. Der erste stressige Job neue Fähigkeiten hervorgebracht. Partner Nummer eins, zwei, drei gezeigt, was wir wollen und was auf gar keinen Fall geht, wie verletzbar wir sind und wie wir Krisen meistern. Unser erstes Kind hat uns ans Ende unserer Kräfte gebracht und uns trotzdem überleben lassen. Und dann dieses Scheitern… Hat uns nicht auch das immer wieder aufstehen lassen? Wer wären wir heute, hätten wir nicht irgendwann mutig „Ja“ gesagt. Sind es nicht erst die Veränderungen, die uns ausmachen? Und wollen wir das jetzt bleiben? Oder immer weiter wachsen?

Wozu ist Veränderung gut?

Aufgeben, abbrechen, umentscheiden. Etwas nicht zu Ende bringen, dass man begonnen hat, fällt vielen sehr schwer.

Der Ökonom Steven Levitt von der University of Chicago erforscht, warum das so ist. Er vermutet, dass die Konflikte und die Unsicherheit, die man zunächst aushalten muss, wenn man den Job kündigt oder die Beziehung beendet, den Blick darauf verstellen, wie gut es sich später anfühlen kann, etwas grundlegend verändert zu haben. Der Verlust kommt vor dem Gewinn, und das lässt zögern.

Über den Zeitraum von einem Jahr warfen die Probanden 20.000 virtuelle Münzen – und bekamen damit 20.000 willkürliche Entscheidungen geliefert. Nach zwei Monaten und dann noch einmal nach einem halben Jahr hakte der Wissenschaftler bei allen seinen Teilnehmern nach. Dabei fand er zwei Dinge heraus. Erstens: Ging es um große Lebensentscheidungen, dann fühlten sich jene, die den Job gekündigt oder die Beziehung beendet hatten zu beiden Zeitpunkten besser als jene, die nichts verändert hatten – und zwar unabhängig davon, ob sie die Entscheidung am Ende tatsächlich aufgrund des Münzwurfes getroffen hatten oder doch aus eigenen Stücken. Ging es um weniger lebensentscheidende Fragen wie darum, ob man sich den Bart abrasieren sollte oder lieber nicht, dann war es egal, welche Entscheidung die Probanden getroffen hatten. Beiden Gruppen ging es gleich gut.

Zweitens fand Levitt heraus, dass von jenen, die sich strikt an das gehalten hatten, was die Münze für sie entschieden hatte, ebenfalls jene glücklicher waren, die sich verändert hatten – und jene unglücklicher, bei denen dank des Münzwurfes alles beim Alten blieb. So sehr Menschen große Veränderungen also scheuen, meist tun sie ihnen gut. Das zu wissen hilft vielleicht, Lebensentscheidungen mit etwas weniger Angst zu treffen – und stattdessen mit einer großen Portion mehr Zuversicht.

Ob Sie mit eher kleineren Veränderungen anfangen möchten oder gleich den ganz Großen Schritt wagen, das bleibt Ihnen überlassen. Denn ein wichtiger Schritt zur Selbstverwirklichung und persönlichem Wachstum ist es allemal.



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