EIne besondere Herausforderung für berufstätige Paare ist die Organisation ihres Familienalltags. Alles unter einen Hut zu bringen, dabei die eigenen Bedürfnisse nicht zu vergessen und eine zufriedene Partneschaft zu leben, ist ein Seiltanz im alltäglichen Leben. Was kann man tun, damit das eigene Leben nicht zu stark beansprucht wird? Kraft und Energie für die berufsttigen Paare.

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Angelika Braza – Praxis für Ehe Paar und Familienberatung

Gibt es eine Phase im Leben der Eltern, die besonders „anfällig“ für Probleme ist?

Meistens ist es ein schleichendes Auseinanderleben, dass die Paare zu mir in die Beratung bringt. Eine typisch weibliche Perspektive ist hier: „Er interessiert sich nicht mehr für meine Lebenswelt und ich habe keine Unterstützung„. Von Männern hingegen höre ich oft: „Sie lebt nur mehr für die Familie, ich habe da gar keinen Platz mehr.“ Besonders dann, wenn die Frau wieder in den Beruf eingestiegen ist, wird oft festgestellt: „Mir fehlt etwas, ich bekomme nicht die nötige Unterstützung. Paare empfinden es oft als schwierig, Arbeit mit Partnerschaft und gegebenenfalls auch Kindern zu vereinbaren. Gerade wenn beide Partner einer anspruchsvollen Arbeit nachgehen, ist es nicht immer einfach, eine gute Balance zwischen Arbeit und Privatleben zu finden, sodass man in der Arbeit erfolgreich sein kann ohne Partnerschaft oder Familie zu vernachlässigen.

Braucht es für berufstätige Paare eine neue Rollenverteilung:

Angelika Braza Ich denke nicht, dass dies die Lösung wäre. Ich hatte in meiner Praxis bisher kein Paar, bei dem die Frau gesagt hat: „Mein Mann soll zu Hause bleiben, damit ich arbeiten kann.“ Die meisten Frauen verbringen gerne den Großteil der Zeit mit ihren Kindern und fühlen sich damit wohl. Sie möchten eben parallel dazu arbeiten, weil sie eine andere Art von Anerkennung haben möchten. Den Frauen geht es meist um mehr Unterstützung, darum, mehr gesehen zu werden.

Angelika Braza: Das ist meine Grundidee, die ich in meinen Beratungen immer wieder erwähne und zwar, dass es keine allgemeingültigen Standardlösungen gibt. Es ist wichtig, dass es mir als Frau bzw. Mann gut geht: in meinem Leben generell und dann in meinen jeweiligen Rollen. In meiner Rolle im Beruf aber auch der Rolle als Mutter oder Vater. Wenn es mir gut geht, werden das auch die Kinder merken: Und Kinder können sich gut an Situationen anpassen, sofern Klarheit besteht. Sie sind dabei viel flexibler als die meisten Erwachsenen. Es ist aber auch ganz wichtig, dass man Mann und Frau sein kann. Ich glaube, dass dies die zentrale Energietankstelle ist, um in seinen Rollen erfolgreich zu sein.

Können Sie einen Tipp für berufstätige Paare geben:

Man sollte den Partner immer wieder einmal bewusst anschauen und zueinander sagen: „Wir sind immer noch Frau und Mann und wir erleben gerade gemeinsam das Abenteuer Familie“. Das kann ein Blick sein, der Gute-Nacht-Kuss oder die Frage: „Wie ging es dir heute?“ Hier geht es darum, aus der reinen Vater- oder Mutterrolle herauszutreten und die Verbindung zueinander aufrechtzuerhalten. Spätestens nach zwei Jahren Elternschaft rate ich immer ganz stark dazu, sich wieder gezielt Zeit als Paar zu nehmen. Sei es ein gemeinsamer Abend, ein Spaziergang oder ein Wochenende ohne Kinder. Je nach Situation und Möglichkeit wäre es ideal, wenn diese Paarzeit wieder zur Routine wird. Das dann aber bitte ganz ohne Zwang –  es muss nicht der perfekte Abend oder das perfekte Date werden.

Es gibt hierbei eigentlich nur eine Regel: „Wir reden nicht über das Kind und planen nicht den Alltag der nächsten Woche.“ Das ist eine Trainings- und Übungssache, und gelingt immer besser, Sie werden sehen.

Auf was müssen wir achten?

Angelika Braza: Aber auch wenn es zu einer gut geregelten Familiensituation gekommen ist, ist es wichtig auf den respektvollen Umgang miteinander zu achten. Damit die partnerschaftliche Beziehung ein für beide Seiten befriedigendes wird, müssen Paare auf dieselben Grundsätze achten wie auch im Familienalltag. Falls trotz bester Absicht Konflikte entstehen sollten, erweist es sich immer wieder als hilfreich, ein Coaching oder auch eine Konfliktmoderation in Anspruch zu nehmen.

Beides kann dazu beitragen, emotionale Wogen wieder zu glätten und so die Voraussetzung für ein reibungsloses Paar-Leben  zu schaffen.

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